Autor: Redaktion
Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

Die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung ist eine spezi­el­le Form der medizi­ni­schen Fußpfle­ge und umfasst mehre­re Schritte.

In diesem Beitrag stellen wir den genau­en Ablauf vor und erklä­ren die Beson­der­hei­ten dieser Behandlung.

Was ist eine podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung? — Defini­ti­on und Zweck

Gemäß der Heilmit­tel-Richt­li­nie (HeilM-RL) des Gemein­sa­men Bundes­aus­schus­ses wird die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung als „gleich­zei­ti­ge Hornhaut­ab­tra­gung und Nagel­be­ar­bei­tung“ definiert.

Merke

Es handelt sich folglich um eine Kombi­na­ti­on aus mehre­ren podolo­gi­schen Therapieformen.

Der Zweck einer podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung ist die fortschrei­ten­de Erkran­kung beider Füße aufzu­hal­ten und Konse­quen­zen, wie z.B. offene Wunden und Amputa­tio­nen zu vermeiden. 

Der Ablauf einer podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung in 7 Schritten

In der Praxis geht der Ablauf einer podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung weit über die Defini­ti­on der Heilmit­tel­ver­ord­nung hinaus.

Geschul­ter Blick

Erfah­re­ne Podolo­gen machen sich einen ersten Eindruck, sobald der Patient die Fachpra­xis betritt, denn bereits anhand vom Gang, können sie erste Rückschlüs­se auf mögli­che Fußlei­den ziehen.

Der allge­mei­ne Verlauf einer podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung lässt sich in 7 übersicht­li­che Schrit­te aufteilen:

Schrit­te

Was wird gemacht?

1. Anamne­seNeben mögli­chen Risiko­fak­to­ren wird die medizi­ni­sche Vorge­schich­te des Patien­ten erfasst und Raum für ein vertrau­ens­vol­les Kennen­ler­nen geschaffen.
2. Unter­su­chungDie Füße des Patien­ten werden gründ­lich auf sicht­ba­re, aber auch subti­le Auffäl­lig­kei­ten, untersucht.
3. Diagno­seNun erfolgt die Diagno­se und die Erstel­lung eines indivi­du­el­len Behand­lungs­plans unter Berück­sich­ti­gung der Infor­ma­tio­nen aus der Anamne­se, sowie weite­rer Empfeh­lun­gen vom überwei­sen­den Arzt.
4. Hygie­ne­maß­nah­menVor der eigent­li­chen Behand­lung werden die Füße des Patien­ten sorgfäl­tig gereinigt.
5. Thera­pieDie Abtra­gung der Hornhaut und die Bearbei­tung der Nägel werden unter Einsatz unter­schied­li­cher Instru­men­te vorgenommen.
6. Nachge­sprächIn einem beraten­den Gespräch zeigt der Podolo­ge auf, welche vorbeu­gen­den Maßnah­men daheim umgesetzt werden können und gibt Tipps zur allge­mei­nen Fußpflege.
7. Dokumen­ta­ti­onAbschlie­ßend wird der Verlauf der Behand­lung genau proto­kol­liert und die entspre­chen­den Dokumen­te archiviert.

Ausge­hend von der Lage des Patien­ten, liegen die einzel­nen Schrit­te im Ermes­sen des behan­deln­den Podolo­gen und können variie­ren, um eine optima­le Versor­gung zu sichern.

Dauer

Die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung hat eine durch­schnitt­li­che Dauer von 30 bis 50 Minuten.

Generell gilt: Für eine Erstbe­hand­lung lieber mehr Zeit einplanen!

Die Dauer mögli­cher Folge­ter­mi­ne kann der Podolo­ge erst nach der ersten Sitzung abwägen.

Nagel-Behandlung mithilfe eines elektrischen Fräsers

Voraus­set­zun­gen für eine podolo­gi­sche Komplexbehandlung

In der Regel ist die Voraus­set­zung für die Verord­nung einer podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung die Feststel­lung der Notwen­dig­keit durch einen Haus- oder Facharzt.

Ob die Kosten gänzlich oder teilwei­se übernom­men werden, kommt auf die Versi­che­rung an.

Gut zu wissen

Eine podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung kann sowohl auf Kassen-, als auch auf Privat­re­zept erfolgen.

Bei einem Privat­re­zept werden die Podolo­gie-Kosten zunächst vom Patien­ten übernom­men und anschlie­ßend bei der Kranken­ver­si­che­rung eingereicht.

Gültig­keits­dau­er von Rezepten

Während Privat­re­zep­te ab der Ausstel­lung 3 Monate gültig sind, muss ein Kassen­re­zept binnen 28 Tagen einge­löst werden.

Inner­halb von diesem vorge­ge­be­nen Zeitraum, muss der Podolo­ge mit der Behand­lung anfangen.

Um welche Art von Rezept es sich handelt, lässt sich an der Farbe erkennen.

Die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung bei Diabetes

Lange Zeit war das diabe­ti­sche Fußsyn­drom (DFS) eine der Haupt­in­di­ka­tio­nen für eine podolo­gi­sche Komplexbehandlung.

Die Diagno­se geht mit einer Beurtei­lung der Füße nach der Wagner-Armstrong-Klassi­fi­ka­ti­on einher.

Diese Eintei­lung dient der Feststel­lung in welchem Stadi­um sich das diagnos­ti­zier­te diabe­ti­sche Fußsyn­drom befin­det und welche Behand­lungs­mög­lich­kei­ten notwen­dig sind.

Wagner-Armstrong-Klassifikation

Eine stadi­en­ge­rech­te Wundver­sor­gung ist wichtig, um weite­re Schäden zu vermeiden!

Eine podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung darf laut Heilmit­tel­ver­ord­nung bei einer Feststel­lung des Wagner-Grades 0 und in den Armstrong-Stadi­en A bis D durch einen Podolo­gen erfolgen.

Ab dem Wagner-Grad 1 ist eine ärztli­che Behand­lung notwen­dig, die eine Überwei­sung zum Chirur­gen oder Derma­to­lo­gen erfordert.

Achtung Ausnah­me!

Eine Ausnah­me stellt die Behand­lung einge­wach­se­ner Zehen­nä­gel dar, die auch beim Wagner-Grad 1 durch einen Podolo­gen vorge­nom­men werden darf.

Voraus­set­zung ist aller­dings eine voran­ge­hen­de ärztli­che Verord­nung.

Bekommt man auch mit anderen Diagno­sen eine podolo­gi­sche Komplexbehandlung?

Auch wenn die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung weiter­hin häufig bei Diabe­tes verord­net wird, können seit 2020 auch Patien­ten mit anderen Erkran­kun­gen ein Rezept bekommen.

Dazu zählt das komplet­te oder teilwei­se Querschnitts­syn­drom, sowie diver­se Erkran­kun­gen des Nerven­sys­tems, die eine krank­haf­te Schädi­gung am Fuß bedin­gen können.

Muss man bei einer podolo­gi­schen Behand­lung die Kosten selbst tragen?

Der Prozent­satz einer mögli­chen Beihil­fe und damit auch die Kosten, können bei der podolo­gi­schen Komplex­be­hand­lung variieren.

Wer Mitglied einer gesetz­li­chen Kranken­ver­si­che­rung ist, muss mit einem Eigen­an­teil von etwa 10 % und einer Verord­nungs­ge­bühr von 10 Euro rechnen.

Das hängt jedoch von der Kranken­ver­si­che­rung ab und sollte vor der Behand­lung unbedingt erfragt werden.

Übernah­me von Kosten

Die Kosten für eine podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung werden von gesetz­li­chen Kranken­kas­sen komplett übernom­men, wenn man nach der Heilmit­tel­ver­ord­nung 13 von der Zuzah­lung befreit ist.

Unser Fazit

Die podolo­gi­sche Komplex­be­hand­lung ist ein Ansatz, der im Wesent­li­chen zu einer ganzheit­li­chen und erfolg­rei­chen Behand­lung von Patien­ten beiträgt.

Ein ameri­ka­ni­sches Forscher­team verglich anhand einer Kohor­ten­stu­die die Anzahl der Amputa­tio­nen bei Diabe­tes-Patien­ten über einen Zeitraum von 16 Jahren.

Aktuel­le Studien

Schmidt et. al. (2017) stell­ten fest, dass dank podolo­gi­scher Thera­pie­maß­nah­men etwa 40 Amputa­tio­nen unterer Glied­ma­ßen im Jahr vermie­den werden konnten.

Diese Zahlen sprechen nicht nur für den eindeu­ti­gen positi­ven Effekt der Podolo­gie, sondern auch für ihre unmit­tel­ba­re Notwen­dig­keit in der moder­nen Medizin.

blank

Über den Autor

Redaktion

Unsere Redaktion besteht aus einem interdisziplinären Team mit mehrjähriger Erfahrung im sozialen Bereich. Wir schreiben zu den unterschiedlichsten Themen in den Bereichen der Podologie und der medizinischen Fußpflege. Jeder Artikel wird von einer staatl. gepr. Podologin überprüft, ergänzt und ggf. korrigiert.

Mehr über die Redaktion

Weitere Themen